Wolkersdorfer Hitzeinseln | Wetter-Wolkersdorf

Wolkersdorf im Weinviertel

48° 23.11' N | 016° 30.91' O | 174 Meter | Auf Karte anzeigen

Blog | Wolkersdorfer Hitzeinseln

22.10.2020 12:30

Station:Vantage Pro2
Software:weewx v3.9.2
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Wolkersdorfer Hitzeinseln

03.08.2018 19:35

Seit mehr als einer Woche lagern hochsommerliche Luftmassen über Mitteleuropa – ein Ende der Hitzewelle ist zwar vage absehbar, steht aber noch nicht unmittelbar bevor. Im Weinviertel kann man sich glücklich schätzen, im Juli mit ausreichend Niederschlag gesegnet gewesen zu sein. Andernorts in Mitteleuropa war das nicht der Fall: Im Westen und Norden Deutschland fielen bei vergleichbar hohen Temperaturen teilweise weniger als 20mm im Juli, dementsprechend stark leidet man dort unter Trockenheit.

Wie zuletzt angemerkt, würde ich die ruhige Wetterlage gerne nutzen, um einer Frage auf den Grund zu gehen, die sich gerade in den letzten Tagen häufiger gestellt hat: Wie heiß ist Wolkersdorf wirklich? Geht es nach den Nennungen in Funk und Fernsehen, müsste Wolkersdorf im Österreichvergleich ganz vorne mitspielen. Zunächst zum Grundsätzlichen: Die durchschnittlich wärmsten Gebiete Österreichs liegen wenig überraschend im nordöstlichen und östlichen Flachland. Besonders rund um den Neusiedlersee und im Wiener Zentrum kann man gut Heizkosten sparen, gibt dafür aber eventuell mehr zur Kühlung aus. Wolkersdorf liegt vielleicht nicht ganz in der Zone der allerhöchsten Durchschnittstemperaturen, aber keinesfalls weit davon entfernt. Den häufigen Spitzenplatz Wolkersdorfs im Temperaturranking von ORF und Co kann das trotzdem nicht gänzlich erklären, hier lohnt ein Blick auf die Datenquelle: Die Wolkersdorfer ZAMG-Wetterstation, die im Frühjahr 2008 am Gelände des Wirtschaftshofes in Betrieb genommen wurde. Diese liefert ihre Daten an die Hohe Warte in Wien, von wo aus sie weiterverbreitet werden, unter anderem an den ORF. Die normgerechte Platzierung von Wetterstationen und insbesondere der Wetterhütten, in denen die Lufttemperatur gemessen wird, ist eine Wissenschaft für sich, zu deren Studium sich die Lektüre eines sehr umfassenden Elaborats der World Meteorological Organisation (WMO) empfiehlt. Sehr kurz gesagt: Im Idealfall befindet sich die Wetterhütte auf einer ebenen, sonnigen Rasenfläche, frei von Hindernissen. In der Praxis ist der Standort häufig ein Kompromiss, da meist nur Grundstücke im Besitz der öffentlichen Hand infrage kommen, und ein Stromanschluss sowie eine Datenverbindung nötig sind. Daher sind Wetterstationen in Österreich häufig bei Bau- bzw. Wirtschaftshöfen, Wasserverbänden und ähnlichem angesiedelt. In Wolkersdorf ist der Kompromiss denkbar schlecht ausgefallen, da die Rasenfläche rund um die Station sehr klein ist, und sich einerseits ein asphaltierter Parkplatz, sowie in Richtung Norden/Nordwesten zwei Gebäude in unmittelbarer Nähe befinden, während die großzügige Wiese auf einem angrenzenden Grundstück geradezu perfekt für eine Wetterstation geeignet wäre und der WMO große Freude bereiten würde.

Auffällig ist, dass die Wolkersdorfer ZAMG-Wetterstation besonders bis zum frühen Nachmittag und bei schwachem Wind aus nördlicher bis nordwestlicher Richtung sehr hohe Temperaturen misst, die um 1 bis 2°C höher sind als jene der umliegenden ZAMG-Stationen in Stammersdorf, Gänserndorf, Mistelbach und Stockerau – oder auch als die Temperatur an meiner Station, obwohl diese nicht einmal einen Kilometer entfernt liegt. Am heutigen Freitag war der Effekt in Reinform zu beobachten. Vom mittleren Vormittag weg bis etwa 14 Uhr war Wolkersdorf wieder einmal die wärmste Station ganz Österreichs, danach holte uns zunächst Hohenau ein, und wenig später schlossen auch die umliegenden Stationen zu Wolkersdorf auf. Die Erklärung des Rätsels aus meiner Sicht: Die nach Süden hin exponierte, dunkle Fassade nahe der Station wird am Vormittag von der Sonne beschienen und heizt sich auf, bei leichtem Nordwind wird die von der Mauer erhitzte Luft zur Station geweht, zusätzlich strahlt das Gebäude ab. Der nahe Parkplatz trägt sein Übriges bei. Am Nachmittag ist die Fassade zunehmend abgeschattet, und der Effekt lässt nach, die Temperatur gleicht sich jener der umliegenden Stationen an.

An der Nase nehmen muss ich mich selbst aber auch: Mein Standort ist natürlich ebenfalls nicht perfekt, sondern in den frühen Abendstunden ein wenig zu schattig. Das macht sich zum Glück nur bei windschwachen Lagen im Sommer und auch nur für zwei bis drei Stunden am Tag bemerkbar, aber dann sind die gemessenen Lufttemperaturen bei mir um etwa 1°C tief – immerhin misst die ZAMG-Station um diese Zeit schon wieder plausible Werte, daher stimmt die Temperatur zumindest bei einer der beiden Wolkersdorfer Stationen immer.

Zuletzt noch der Ausblick auf die nächsten Tage: Die im vorigen Beitrag angedeutete Luftmassengrenze nähert sich am Sonntag und Montag zwar Österreich an, vermag uns aber nicht gänzlich zu erreichen, wodurch die Hitze erhalten bleibt. Die Tiefdruckentwicklungen über dem Westatlantik nehmen im Laufe der nächsten Woche allerdings wieder deutlich an Fahrt auf, und derzeit erscheint ein Ende der Hitze am nächsten Wochenende wahrscheinlich.